Lightroom vs Capture One: immer wieder kommt unter Fotografen die Diskussion auf, welcher der beiden gängigsten RAW-Konverter der Bessere sei: Lightroom von Adobe oder Capture One von Phase One. In diesem Artikel gehe ich dieser Frage nach und ziehe einen direkten Vergleich zwischen Lightroom, Capture One und Nikon Capture NX-D, gibt es ein “bestes” Programm zur Bearbeitung von RAW-Bilddaten?

Ist anders auch besser?

In diesem Zusammenhang heißt es auch gleich, dass die Bilder in Capture One wärmer, schärfer und einfach knackiger erscheinen. Auf die Frage, welcher der Bessere ist, will ich hier nicht eingehen. Denn das ist eine rein persönliche Entscheidung in die nicht allein die erste Darstellung des Bildes im einzelnen Konverter einfließt, sondern auch der Aspekt des Workflows und des Handlings in der Software, sowie das Zusammenspiel mit anderen Bildbearbeitungsprogrammen. Hier geht es mehr um die Frage, warum das gleiche Bild – und wir beziehen uns hier auf Bilddateien im RAW-Format – in verschiedenen Bildbearbeitungsprogrammen unterschiedlich angezeigt wird, wenn es noch unbearbeitet ist.

Dieses Phänomen zeigt sich nicht nur zwischen Lightroom (LR) und Capture One (C1) sondern auch mit anderen RAW-Konvertern. Da ich schon seit Jahrzehnten Nikon Kameras nutze, nehme ich hier noch den RAW-Konverter von Nikon mit ins Boot, Nikon Capture NX-D.

 

Wie aus Daten Bilder werden

Betrachten wir vielleicht erst einmal grob den Prozess der Bildentstehung. Von einem Motiv reflektiertes Licht strahlt durch das optische System der Kamera und trifft auf den Sensor. Licht besteht aus elektromagnetischen Wellen, deren Energie beim Auftreffen auf eine Photozelle (Pixel des Sensors) in ein elektrisches Signal umgewandelt und digitalisiert wird. Bei einigen Kameras kann dieses Signal direkt in einem RAW-Format gespeichert werden.

Es handelt sich bei einem RAW-File also um die Rohdaten des Speicherchips. Mit der RAW-Datei haben wir aber noch lange kein Bild, sondern einfach nur einen Binärcode, der interpretiert werden muss. Diese Interpretation erfolgt nun in der Signalverarbeitung mit mathematischen Algorithmen und der Verrechnung von Farbprofilen.

Daraus folgt, dass jede RAW-Datei, die in einer Bildbearbeitungssoftware angezeigt wird, erst einmal bearbeitet werden muss. Damit dies geschehen kann, entwickeln die Softwarehersteller für jedes neu auf den Markt kommende Kameramodell eigene Farbprofile und modifizieren die Verarbeitungsalgorithmen. Das erklärt auch, warum immer wieder Updates der Software erforderlich sind.

 

Die Unterschiedlichkeit der Interpretation von Daten

Bevor wir uns die sichtbaren Unterschiede der drei RAW-Konverter Adobe Lightroom Classic CC, Capture One 11 und Nikon Capture NX-D 1.4.1. ansehen, kontrollieren wir die Einstellung der verwendeten Kameraprofile. Bei Adobe ist das standardmäßig das Profil „Adobe Standard“ mit dem aktuellen Prozess Version 4. Capture One verwendet die aktuelle Engine Capture One 11 mit dem ICC-Profil „Nikon D500 Generic“ und der Kurve „Auto“, während das Nikonprogramm Capture NX-D das Kameraprofil der D500 mit den Picture Control Einstellungen der Kamera bei der Aufnahme verwendet.

Rohdaten-Interpretation der verschiedenen Testkandidaten / (c) Ruth Forrester

Da Lightroom und Capture One per Default die verwendeten Profile  „Standard“ beziehungsweise „Auto“ verwenden, ist ein Vergleich von Kontrast und Farbe nicht wirklich möglich. Deshalb werden in den Programmen die Profile auf eine möglichst farb- und kontrastneutrale Darstellung eingestellt. Das ist bei Adobe „Camera Flat“, bei Capture One  „Linear Reponse“ und bei Nikon „[FL] Ausgewogen“.

In der folgenden Abbildung ist links oben Ligtroom, rechts oben Capture One und unten Nikon Capture NX-D. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede in Helligkeit und Kontrast.

Unterschiedlichkeit der Flat-Profile, links oben Lightroom, rechts oben Capture One, unten rechts Nikon Capture NX-D / (c) Ruth Forrester

Als nächstes wollen wir uns die Bildschärfe näher ansehen. Hier haben Adobe und Phase One Standardeinstellungen entwickelt, die bei der 100% Darstellung bei Capture One etwas schärfer ist als bei Lightroom. Die Nikon-Software wird in diesem Vergleich nicht berücksichtigt, da die Picture Control Anpassung des Fotografen im Kameramenü mit in die Monitordarstellung hineinspielt.

Unterschiedlichkeit der Schärfe und Detailzeichnung, links oben Lightroom, rechts oben Capture One, rechts unten Nikon Capture NX-D / (c) Ruth Forrester

Ob ein RAW-Konverter eine RAW-Datei lesen und interpretieren kann, hängt von den implementierten Kameraprofilen ab. Capture NX-D zum Beispiel ist optimiert für Entwicklung von NEF- und NRW-Dateien, um die Leistung der Nikon-Kameras voll auszuschöpfen. Mit derselben Intention hat Phase One die Software Capture One für seine Kamerarückteile und die von Mamiya Leaf entwickelt und für die RAW-Dateien anderer Kamerahersteller geöffnet, außer für konkurrierende Mittelformatkameras von Hasselblad, Fuji und Pentax. Adobe hat in dieser Hinsicht keine Konkurrenz zu fürchten und ist daher das Flaggschiff unter den RAW-Konvertern.

 

Fazit – gibt es das beste Programm?

Lightroom vs Capture One – um die Frage nach dem “besten” Programm gleich zu beantworten: nein, es gibt kein objektives bestes Programm zur Bearbeitung von RAW-Dateien. Die Beantwortung der Frage lässt sich nur mit den persönlichen Präferenzen des Fotografen beantworten. In der automatischen Grundeinstellung ist Lightroom etwas kühler, während Capture One im besonderen Hauttöne wärmer darstellt.

Auffällig ist auch der Unterschied in Schärfe und Detailzeichnung. Capture One scheint in den Grundeinstellungen standardmäßig stärker scharf zu zeichnen, ein Unterschied, der in der Nachbearbeitung aber sicher nicht mehr ins Gewicht fällt.

Ja, es gibt sehr unterschiedliche Interpretationen der Rohdaten durch die verschiedenen RAW-Engines. Letztendlich bleibt es aber in der Kunst des Fotografen, aus dem Motiv das Beste herauszuholen – mit dem Programm, das am Besten zu seinem/ihrem Arbeitsstil passt.

 


Weiterführende Links:

> Capture One

> Adobe Lightroom Classic CC

> Nikon Capture NX-D

> Ruth Forrester Fotografie weitblick360.de